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Donnerstag, 10. März 2016

Nahrung teilen







Na, Hunger?

Heute ist ein besonderer Tag. Ich teile mein Essen mit der Welt. Nein, nicht mit Menschen, die am Hungertod nagen, sondern mit meinen Instagram-Bitches. 
Ich habe mir eigentlich geschworen, nie mein Essen im Internet zu teilen, außer es wird mir von Till Lindemann serviert. Doch heute habe ich meinen Schwur für dieses Experiment gebrochen.

Während ich Gurken, Tomaten, Brot und vieles mehr geschnippelt habe, kam mir der Einfall mit meinem "Experiment". Es möchte bestimmt auch der Rest der Welt Sarah's Essgewohnheiten kennen lernen. Meine Vorfreude steigt.

Somit habe ich mir besonders viel Mühe mit dem Anrichten gegeben: Den Salat auf einen alten schönen Teller platzieren, das Brot auf ein rustikales Holzbrett legen, Hummus im Glas und dazu zwei frische, saft-grüne Kiwis. Die Kunstwerke auf ein minimales Tischdeckchen legen.
Die Bildperspektive war mir schnell bewusst. Einen Filter rauf klatschen und nur noch auf Instagram hochladen. #foodporn - Fertig

Nachdem ich dieses Prozedere vollbracht habe, habe ich mich endlich dem Vernichten zugewendet. 
Ich unterbreche. Mir fällt ein: Meine Familie, meine beste Freundin und meine Kollegen haben noch gar nicht erfahren, dass ich mich just in diesem Moment selbstständig ernähre. Whatsapp auf und das Bild erneut durch's Web schleudern.

Ich schweife ab. Meine Gedanken sind bereits an einer passenden Formulierung für einen neuen Blog-Eintrag dran. Mein Abendbrot ist mittlerweile zur Nebensache geworden. 
Mir geht alles Mögliche durch'n Kopf:
Warum machen Menschen das? Warum teilen Leute ihr Essen im Internet? 

Genau im gleichen Moment und das ist kein Scherz, berichtet das deutsche Fernsehen gerade davon, was die "Rich Kids" so in den sozialen Medien treiben.
Es wurden Fragen gestellt, von wegen: "Warum postest du einfach absolut jeden Scheiß aus deinem Leben?"; "Warum teilst du ständig deine mit Chanel geschminkten Lippen, geformt zum Duckface" oder "Was sucht dein scheiß Fraß auf Instagram?"


Ich habe diese Fragen eventuell etwas umformuliert. Aber zur letzteren kam die Antwort: "Essen teile ich nur, wenn wir unterwegs sind und wenn es mit das teuerste auf der Speisekarte war." 
Vielen Dank! Du hast mein Leben bereichert.

Dieser "Lifestyle" (auch gern "Lebensstil" genannt) geht mir nicht in den Kopf.
Die Welt hat Hunger. Die eine Hälfte nach Essen und die andere Hälfte nach Likes.
Ich könnte mich an dieser Stelle wieder über die sozialen Medien ablassen, das Fernsehen verurteilen oder Verbesserungsvorschläge predigen... Aber denkt euch euren Teil allein.

Wie geht es mir nach diesem "Healthy Food"-Teilen-Experiment? 
Ich sag nur eins: Mein Leben macht wieder einen Sinn. Ich gehöre endlich dazu. Ich bin ein Teil der "gesunde Ernährung ist nice"-Community. Mein Gewissen ist bereinigt, da nun alle Leute denken, dass meine Lippen noch nie Fast Food berührt haben. Was natürlich stimmt.


Zur Belohnung gönn' ich mir jetzt Schokolade. Natürlich Bio.



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