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Mittwoch, 13. Juli 2016

schreibt...



"ICH WEIß GAR NICHT, WAS DU HAST! ICH LIEBE DIESE SCHUHE UND AUCH DAS WETTER IST HEUTE PERFEKT!"

Na, hast dich angeschrien gefühlt? Schon traurig, was die visuelle Kommunikation mit unseren Köpfen macht.
Tag und Nacht sind wir erreichbar, schreiben mit Leuten, die wir im echten Leben wahrscheinlich ignorieren würden und werden die Autokorrektur niemals gebändigt bekommen. 
Völlig überfordert, versuchen wir wirklich alle Fragen, die des am anderen Ende Sitzenden, zu beantworten. Selber möchte man für eine Antwort keine Sekunde warten. 
Rechtschreibung scheißegal, doch die Grammatik sollte schon stimmen, schon klar.
Was? Keine Icons im Chat? Die Person mag dich wohl nicht. Diese Person ist naiv, selbstverliebt, rücksichtslos - missachtet deine Gefühle. :o
Nun gibt es blaue Hacken. Kleine Symbole in der Ecke, die uns zeigen, ob die Person ehrlich oder ignorant ist:

Wir regen uns auf, ... 

...wenn sie blau aufleuchten und die Person antwortet = die Person nervt.
...wenn sie blau aufleuchten und die Person nicht antwortet = die person denkt, sie wäre was besseres
...wenn sie nicht aufleuchten und die Person trotzdem schreibt = die Person unehrlich
... wenn sie nicht aufleuchten und die Person nicht schreibt = Was zum Teufel ist eigentlich los mit uns?
Wir zerbrechen unseren Kopf über Zeilen, die jemand binnen 4 Sekunden geschrieben hat.
Ob jemand gekidnappt wurde oder im Graben liegt und deswegen nicht scheibt, ist egal - erstmal eine Hass-Nachricht versenden.
Sich schlecht fühlen, weil man etwas geschrieben hat, was in Worten sanfter hätte gesagt werden können, wäre aber viel zu mutig. Eine Beziehung mit einer SMS beenden. Eine Wohnung per E-Mail annehmen. Einen langersehnten Termin über Whatsapp absagen. Standard. Wir vergessen das fühlende Lebewesen am anderen Ende.
Die Welt des Schreibens ist mittlerweile unentbehrlich und doch eine Angst-Existenz.
Liebe Leser, greift zum Hörer oder geht vor die Tür. Ich fasse mir gerade an die eigene Nase...
Und ja, ich weiß, diesen Text habe ich geschrieben und nicht eingesprochen. Ich Verräter.



Kommentare:

  1. *Unterschreib* Ich genieße nicht den Luxus eines Smartphones und bin da ganz froh drüber. Absagen per Whatsapp in der letzten Sekunde... Ein rotes Tuch für mich. Das geht gar nicht!

    LG
    Jakob

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  2. Dann hast du etwas geschafft, worauf du ziemlich stolz sein kannst. Ohne ein Gerät zu leben, dass unsere heutige Gesellschaft steuert...
    Aber mit diesem Argument unterstreichst du die Sinnlosigkeit einer solchen Lebensweise.

    Liebe Grüße
    Sarah

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