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Freitag, 16. September 2016

Arachnophobie



"Bei Menschen, die Angst vor Spinnen haben, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie eine in ihrem Zimmer finden."

Stimmt diese Aussage?

Ja! Ja, ja, ja!!
Hierbei spreche ich aus vollster Erfahrung! Zu Besuch bei den Eltern: Es ist natürlich und physikalisch bestimmt, dass Spinnen sich eher in Räumen von Leuten mit Spinnenphobie aufhalten. Sie riechen die Angst, schmecken die Furcht. Betreten den Raum, durch irgendein Fenster in die Wohnung gekommen, mit den Plan fest im Kopf verankert: 

"Mein Netz spanne ich am besten in der dunklen Ecke. Ich verhalte mich still. Komme nur Nachts raus, um mich zu stärken und warte, bis ich vollständig ausgewachsen und fleischig bin. Dann, wenn ich groß wie 'ne Ratte bin, Beine habe wie ein Pferd und Pelz wie ein Polarbär, dann, ja, genau dann trete ich in Erscheinung. Am Abend. Dann, wenn meine neue Mitbewohnerin die Tür betritt. Genau dann werde ich an der Wand hängen. Einfach so. Fett und hässlich wie ich bin. Alle achte von mir gestreckt und ohne Grund an der geraden, flachen Wand klebend. Nur, um zu beweisen, wie geil ich bin. Nur, um meiner Mitbewohnerin mit Arachnophobie einen Schrecken einzujagen. Oh Junge, sie kommt. Still dastehen, Bernd, das Schauspiel genießen und einen schönen großen Schatten werfen."

Sarah betritt das Zimmer. Schmeißt ihr Tasche auf das Bett und greift zum Trinken, welches am Boden steht.

"Scheiße! Was zur Hölle?! MUTTI!!!"

Schnelles Stampfen rennt zurück zur Tür, Tippeln durchquert den Flur. Sarah greift zur Fliegenklatsche und drück diese in die Hände ihrer Mutter, die bereits das Spinnen-Haus betreten hat. 
"Wie soll ich da denn ankommen?"
"Wieso? Sie nistet am Boden! Töte sie!" pflaumt Sarah.
"Sie ist hier oben an der Wand! Wie soll ich da ankommen? Donner kuckuck nochmal!"
Eine wimmernde Stimme durchkreuzt die Aussagen der Mutter. "Meine Güte, ich meine ja eigentlich die im Nest am Boden!" sagt Sarah, während sich ihre Zehennägel beim Anblick der zweiten kräuseln. Ihre Mutter, die mit der Fliegenklatsche immer noch auf die Spinne an der Wand deutet, bekommt nun auch kalten Schweiß auf der Stirn, während sie mit aufgerissenem Mund die Spinne im Nest beim wegkrabbeln beobachtet. Nun heißt es: 2 gegen 1. Denn Sarah hat das Zimmer wieder fluchtartig verlassen.

"Hahaha! Mein Plan ist aufgegangen. Niemand hat mit meinem Zwillingsbruder Gerd gerechnet, der sich nun draußen rumschlagen muss." singt Bernd. 
Kaum gesagt, schon geschehen. Gerd wurd' geschlagen. 
Bernd bemerkt, wie eine große Gestalt in seinem Nest vor ihm umher wedelt. Er fühlt sich sicher in seiner Bedrängnis. Plötzlich hebt sich die Decke. Licht durchflutet sein Netz. Er krabbelt weiter.

"Hier ist nichts!" blafft ihre Mutter.
"Natürlich, du hast sie selbst gesehen!"

Ihre Mutter, die nun auch überlegt eine Spinnenphobie zubekommen, nur um dieser Sache aus dem Weg zu gehen, trägt nun einen alten Schulrucksack aus der Ecke ins Bad. An der Badewanne angekommen, hört man nur das Rasseln von Reißverschlüssen.
"Waah!"
Bernd konnte sich nicht länger halten und patscht mit Schmackes auf das Sanitäracryl der Badewanne.
 Klatsch! 2:0 für die Menschheit. Sarah, die sich nun dafür entschieden hat, dass Wohnzimmer als Schlafgemach zu beziehen, beugt sich nahezu regungslos über die Wanne, um das Untier betrachten zu können. Ein platt gedrückter, runder Körper mit acht abgeknickten Hühnchenschenkel schmückt nun das Weiß der Wanne. "Diese Tiere haben 'nen Arsch offen!"
Ihr Vater, der nun die mit Blutflecken beschmierte Wohnung betritt, ist verwundert über die bedrückte Stimmung des Hauses. 


Und da fragt man mich noch: "Wieso hast du Angst vor Spinnen."
Sag du es mir...





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